BI-Migration: Strategien für einen nahtlosen Plattformwechsel
Ein Wechsel der Plattform ist kein Facelift, sondern eine Operation am offenen Herzen Deiner Datenstruktur. Mariia Pushkarova beleuchtet, warum Du Logiken neu aufbauen statt übersetzen musst und wie Du Stolperfallen bei Filtern, DAX und Karten souverän umgehst.
Im Beitrag, Race against the Clock: 100 Analyse-Assets in 31 Tagen migrieren, haben wir beschrieben, wie unser Team kurzfristig in ein laufendes Migrationsprojekt eingestiegen ist und unter hohem Zeitdruck zahlreiche Dashboards übernommen hat. In diesem Beitrag gehen wir einen Schritt weiter und beleuchten die technischen Herausforderungen der Migration von Dashboards von Tableau zu Power BI. Wir erklären, welche Schritte reibungslos verliefen, an welchen Stellen es knifflig wurde und welche Stolperfallen sich erst bei tieferem Eintauchen offenbarten.Ein Wechsel der Plattform ist kein Facelift, sondern eine Operation am offenen Herzen Deiner Datenstruktur. Paula Procak beleuchtet, warum Du Logiken neu aufbauen statt übersetzen musst und wie Du Stolperfallen bei Filtern, DAX und Karten souverän umgehst.
Seien wir ehrlich: Je komplexer ein Tableau-Dashboard ist, desto anspruchsvoller gestaltet sich die Migration zu Power BI. Eins zu eins Übernahmen sind kaum möglich.
Zusätzliche Filter, Parameter, Datenverbindungen und Aktionen erhöhen zwangsläufig die Komplexität der zugrunde liegenden Logik. Die größte Herausforderung liegt jedoch nicht im Aussehen des Dashboards, da sich Farben, Layouts und Diagrammtypen sich meist problemlos reproduzieren lassen. Der eigentliche Knackpunkt ist die Replikation der Funktionalität und des Verhaltens; wie Visualisierungen miteinander interagieren, wie Filter die Daten beeinflussen und welche Logik in Parametern und Berechnungen steckt.
Grundlegender Unterschied
Tableau: Analyse innerhalb der Visualisierung
Die Analyse entsteht während der Arbeit mit der Visualisierung. Logik, Berechnungen und Fragestellungen entwickeln und verändern sich direkt im Explorationsprozess.
Power BI: Analyse innerhalb des Modells
Die Analyse entsteht über das Datenmodell. Zuerst werden Struktur, Beziehungen und Logik definiert, und die Visualisierungen zeigen anschließend das Ergebnis dieses Modells.
Best Practice:
So gehen wir eine Migration von Tableau zu Power BI an
Eine Migration bedeutet nicht einfach nur Formeln zu kopieren. Es geht darum, die Logik dahinter zu verstehen und gegebenenfalls neu aufzubauen. Daher unser Ansatz:
1. Berechnete Felder dokumentieren
Alle Tableau-Berechnungen auflisten. Abhängigkeiten notieren und hervorheben, welche davon beispielsweise Parameter oder Filter verwenden. Wenn viele Berechnungen aufeinander aufbauen und sie in falscher Reihenfolge nachgebildet werden, kann es passieren, dass Power BI sie nicht korrekt abbilden kann und die DAX-Formeln nicht funktionieren.
2. Verstehen, was jede Zeile bedeutet
Frage stets, ob es sich um eine Zeilenberechnung oder eine Aggregation handelt. Tableau aggregiert oft automatisch, Power BI nicht. Das Verständnis der zugrunde liegenden Daten und deren Granularität ist entscheidend.
3. Logiken neu aufbauen, nicht nur übersetzen
Tableau-Formeln können nicht immer direkt konvertiert werden. Stattdessen ist es immer besser, die Logik mit Power BI-Mustern nachzubilden, zum Beispiel über getrennte Tabellen, DAX-Berechnungen oder Boolesche Filter.
4. Hilfstabellen zur Kontrolle verwenden
Diagramme können Fehler verdecken. Daher ist es bei einer Migration wichtig Hilfstabellen zu erstellen und die Werte in Power BI mit denen von Tableau zu vergleichen. Erst nach der Validierung sollten die finalen Charts erstellt werden, um wertvolle Zeit zu sparen und unnötigen Frust zu vermeiden.
Die folgenden Beispiele aus dem Projekt zeigen, welche Elemente sich reibungslos von Tableau nach Power BI übertragen ließen und wo wir technisch umdenken, testen und neue Lösungswege finden mussten.
Karten
Karten in Power BI funktionieren normalerweise nur mit klassischen Elementen, wie Ländern, Städten oder Postleitzahlen. Individuelle Regionen oder komplexe Geometrien können falsch dargestellt werden.
Mit der Einführung von Azure Maps in Power BI haben sich die Möglichkeiten für Karten erheblich verbessert. Es können nun deutlich mehr Datenpunkte dargestellt, verschiedene Datenvisualisierungen genutzt und die Performance gesteigert werden.
Trotzdem bleibt Tableau flexibler, intuitiver und stabiler bei der Arbeit mit Karten als Power BI.
Datenfilter
Filterung in Power BI wirkt zunächst einfach. Jedoch fallen Unterschiede zu Tableau schnell auf:
• Der Standard-Datenschnitt (Englisch Slicer) funktioniert nur mit Spalten, nicht mit Berechnungen, den sogenannten Measures und Quickmeasures.
• Berechnungen können nicht als globale Filter für ein Dashboard verwendet werden.
Oft müssen Filter manuell auf jede Visualisierung angewendet werden. Dynamische Logiken erfordern DAX-Formeln oder das zusätzliche Hinzufügen neuer Spalten im Datensatz. Für komplexe Dashboards kann Filterung in Power BI deutlich aufwändiger sein als in Tableau.
Parameter
Parameter in Tableau sind in ihrer Logik und Handhabung recht einfach. In Power BI hingegen sind sie eingeschränkter und komplexer in der Logik; dynamische Funktionen erfordern oft aufwendige Umgehungslösungen. Manche Szenarien lassen sich gar nicht umsetzen.
In der Praxis wurden Parameter meist über separate Tabellen und DAX-Berechnungen in den sogenannten Measures oder über Feld-Parameter migriert, die es erlauben dynamisch zwischen Spalten oder Berechnungen zu wechseln.
Diese Ansätze funktionieren zwar, erfordern jedoch oft ein Überdenken der Logik, anstatt diese eins zu eins zu kopieren.
Duale-Achsen
Duale-Achsen in Tableau erlauben, mehrere Berechnungen mit unterschiedlichen Skalen in einem Diagramm zu kombinieren. Power BI unterstützt diese Art der Visualisierung nicht nativ.
In Power BI könnten auch Custom Visuals genutzt werden. In diesem Projekt war das jedoch keine Option: Bibliotheks-Visuals senden Daten an Dritte und die meisten benötigen eine zusätzliche Lizenz, eigene zu erstellen dauert zudem zu lange. Bei engen Zeitvorgaben sind Workarounds mit Standard-Visuals die passendste Lösung.
Der übliche Workaround: zwei Visualisierungen übereinanderlegen (zum Beispiel eine Linie über ein Balken-Diagramm) und den Hintergrund der oberen Visualisierung auf 100 % Transparenz setzen. Klingt simpel, oder? In der Praxis kann diese Notlösung jedoch knifflig sein. Die Wartung ist mühsam, sobald etwas am Dashboard geändert wird, und es können Schwierigkeiten bei der korrekten Anzeige der QuickInfo (engl. Tooltip) auftreten.
In den meisten Fällen ist es besser, keinen eins zu eins Nachbau zu versuchen.
QuickInfos
Tableau-QuickInfos sind umfangreich und anpassungsfähig. Sie können mehrere Felder, Diagramme oder auch Mini-Dashboards enthalten. Power BI ist weniger flexibel, aber man kann separate Berichtsseiten als QuickInfo verwenden.
Wenn viele individuelle QuickInfo vorhanden sind, kann die Arbeitsmappe schnell unübersichtlich werden, da diese Seiten nicht, wie in Tableau, vollständig ausgeblendet werden können.
Tabellenberechnungen
Die Tabellenberechnungen von Tableau sind mächtig, kontextsensitiv und direkt in einer Visualisierung leicht umzusetzen. Power BI hat die Visual Calculations.
Um sie jedoch eins zu eins nachzubilden, ist es oft am besten, die Logik zu verstehen und diese dann mit DAX-Berechnungen neu zu erstellen. Manche Berechnungen können sehr komplex werden und manchmal lassen sich die ursprünglichen Tableau-Berechnungen auch nicht exakt reproduzieren.
💡Einige Lifehacks aus unserem Team
Power BI erfordert oft kreative Ansätze. Hier ein paar Tricks, die sich in der Praxis besonders bewährt haben.
• Measures sind in Power BI ausgesprochen vielseitig. Ob dynamische Sortierung, Farbsteuerung oder bedingte Formatierung. In vielen Fällen führt der beste Weg über ein sauber aufgebautes Measure.
• Auch Formen (Englisch Shapes) sind deutlich mehr als reine Dekoration. Sie lassen sich nutzen, um Bereiche bewusst zu verdecken, Klicks zu verhindern oder gestalterische Einschränkungen zu umgehen. Selbst vertikaler Text lässt sich auf diese Weise überraschend pragmatisch lösen.
• Und schließlich gilt ein Grundsatz, der uns im gesamten Projekt begleitet hat. In Power BI ist die beste Lösung nicht immer die offensichtlichste. Oft entsteht sie erst durch Ausprobieren, Kombinieren und ein gutes Verständnis und Experimentierfreudigkeit für die Möglichkeiten des Tools.
Fazit
Nichts ist unmöglich. Mit Kreativität und Wissen kann man ein Tableau-Dashboard fast eins zu eins in Power BI nachbauen. Trotzdem raten wir von blindem Kopieren ab!
Stattdessen: Dashboards überprüfen. Sind sie wirklich nützlich? Was ist der Zweck? Welche Kennzahlen sind entscheidend? Beim Nachbau von Tableau Dashboards stets auf die Logiken und Ziele konzentrieren und anschließend von Grund auf neu in Power BI aufbauen. So entstehen Dashboards, die klarer, relevanter und besser auf die Nutzerbedürfnisse zugeschnitten sind. Zudem werden Ressourcen effizienter genutzt.
Plant Ihr eine Migration von Tableau zu Power BI?
Gemeinsam schauen wir darauf, welche Logiken sich sinnvoll übertragen lassen, wo ein Neudenken des Dashboards Mehrwert schafft und wie sich der Umstieg effizient und nachhaltig umsetzen lässt.
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