Small Language Models, kurz SLMs, sind kleine Sprachmodelle. Sie sind die kleineren Versionen großer Sprachmodelle, der sogenannten LLMs (Large Language Models), wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Bekannte Beispiele für Small Language Models sind Mistral 7B, Phi-2 von Microsoft, TinyLLaMA oder Gemma 2B von Google. Übrigens gibt es den Begriff SLM auch im Metall-3D-Druck. Dort steht er für Selective Laser Melting (selektives Laserschmelzen). Das ist jedoch etwas ganz anderes und hat mit Sprachmodellen nichts zu tun.
Small Language Models sind in der Lage, Eingaben und Inhalte in natürlicher Sprache zu verarbeiten. Das wird auch als NLP (Natural Language Processing) bezeichnet. SLMs sind wesentlich kleiner und kompakter als große Sprachmodelle und lassen sich dadurch für spezialisierte Aufgaben einsetzen. Sie benötigen weniger Rechenleistung und Arbeitsspeicher, schonen Ressourcen und eignen sich ideal für Umgebungen mit eingeschränkten Mitteln. Zudem können sie offline oder lokal eingesetzt werden.
Wie funktioniert ein kleines Sprachmodell?
Egal ob große oder kleine Sprachmodelle, beide basieren auf einer neuronalen Netzwerkarchitektur, dem sogenannten Transformer-Modell, welches für die Verarbeitung sequenzieller Daten, wie beispielsweise Text, entwickelt wurde. Verglichen mit früheren Methoden können die Transformer-Modelle ganze Sequenzen gleichzeitig verarbeiten. Sie haben den Bereich der generativen AI revolutioniert, insbesondere bei Aufgaben wie der Erstellung von Texten, Übersetzungen sowie Zusammenfassungen.
Ein kleines Sprachmodell wird mit weniger Parametern sowie einer einfacheren neuronalen Netzwerkarchitektur erstellt, wodurch die geringere Rechenleistung zustande kommt. Die kleinen, spezialisierten AI-Modelle kommen am besten zum Einsatz, um die Verarbeitung natürlicher Sprache in gezielten Anwendungsbereichen zu unterstützen. Hierzu gehören beispielsweise virtuelle Assistenten oder Chatbots im Kundenservice.
Große Sprachmodelle wie GPT-3 benötigen rund 175 Milliarden (englisch Billion) Parameter. Das sind die internen Stellschrauben, die während des Trainings angepasst werden, um die Bedeutung und Zusammenhänge von Wörtern zu speichern. Je mehr Parameter ein Modell hat, desto breiter ist sein Allgemeinwissen. Größere Modelle wie GPT-4 besitzen mehr als eine Billion Parameter (englisch Trillion).
Ein großes Sprachmodell startet etwa bei 70 Milliarden Parametern, nach oben sind keine Grenzen gesetzt, jedoch wird in Fachkreisen ab rund 500 Milliarden Parametern bereits von einem sehr großen Sprachmodell (Very Large Language Model) gesprochen. Alles unter 10 Milliarden wird als kleines Sprachmodell definiert.
Die durch den Trainingsprozess geprägten Werte wirken ähnlich wie neuronale Verknüpfungen im menschlichen Gehirn: Durch wiederholte Nutzung können sie stärker oder schwächer werden. Sie bilden die Grundlage dafür, wie differenziert ein Modell auf unterschiedliche Problemstellungen reagieren kann.
Das Training dieser Modelle erfolgt anhand umfangreicher Datensätze. Im Vergleich zu LLMs nutzen SLMs kleinere, spezialisierte Datensätze, die auf den jeweiligen Einsatzzweck zugeschnitten sind. Ein trainiertes Modell lässt sich anschließend durch Feinabstimmung gezielt für verschiedene Aufgaben optimieren.
Die Vorteile von Small Language Models
SLMs bieten gegenüber LLMs zahlreiche Vorteile. Dank geringerer Rechenanforderungen lassen sie sich effizient in Umgebungen mit begrenzten Ressourcen und auf kleinen Geräten einsetzen. Der niedrigere Energieverbrauch macht SLMs kostengünstiger sowie umweltfreundlicher. Zudem lassen sich kleine Sprachmodelle schneller trainieren, was den Entwicklungsprozess deutlich beschleunigt. Sie eignen sich auch hervorragend für Edge-Geräte, da sie kompakt sind und nur wenige Ressourcen benötigen. Durch die lokale Datenverarbeitung können SLMs zudem ohne ständige Cloud-Anbindung genutzt werden. Da sich das Training auf bestimmte Aufgaben fokussiert, liefern SLMs häufig präzisere Antworten als ihre großen Pendants. Niedrige Rechenanforderungen, kürzere Trainingszeiten und geringere Gesamtkosten machen kleine Sprachmodelle zu kostengünstigen Alternativen, die mehr Personen und Organisationen zugänglich sind.
Die Herausforderung von kleinen Sprachmodellen
Während LLMs auf ein breites Wissensspektrum zurückgreifen, konzentrieren sich SLMs häufig auf Fachpublikationen oder einzelne Branchen. Diese Fokussierung kann jedoch die Fähigkeit einschränken, kreative und besonders komplexe Probleme zu lösen, für die die umfangreichen Parameterstrukturen großer Modelle erforderlich sind. Zudem zeigen kompakte Sprachmodelle bei vielschichtigen Analyse- und Entscheidungsprozessen häufig Genauigkeitsdefizite. Durch kleinere Datensätze und geringere Rechenkapazität steigt das Fehlerrisiko bei Aufgaben, die das Erkennen komplexer Muster oder abstraktes Denken erfordern.
Anwendungsmöglichkeiten von SLMs im Bereich Data: Unsere Einschätzung
Small Language Models können auch im Data-Bereich relevant werden, insbesondere dann, wenn Kosten, Ressourcen, Governance, Datenschutz und Performance eine zentrale Rolle spielen. In vielen Unternehmen sehen wir aktuell noch wenige produktive Anwendungen. Gleichzeitig gibt es bereits konkrete Szenarien, in denen SLMs eine sinnvolle Alternative zu großen Sprachmodellen oder klassischen regelbasierten Ansätzen sein können.
Mögliche Einsatzbereiche sind zum Beispiel:
🔹Data Cleansing
SLMs können dabei helfen, inkonsistente Schreibweisen, Abkürzungen oder Tippfehler zu korrigieren, etwa bei Varianten wie „GmbH“, „G.m.b.H.“ oder „gmbh“. Für solche Aufgaben sind große Sprachmodelle häufig zu teuer, während rein regelbasierte Ansätze wie Regex schnell unflexibel oder wartungsintensiv werden.
🔹Klassifizierung und Tagging
Freitexte wie E-Mails, Support-Tickets oder Kommentare lassen sich mit SLMs automatisiert Kategorien zuweisen. Gerade bei klar abgegrenzten Domänen kann ein spezialisiertes kleines Modell ausreichend leistungsfähig sein, ohne den Aufwand eines großen Sprachmodells zu verursachen.
🔹Entity Recognition und Extraction
SLMs können Namen, Produkte, Organisationen, Datumsangaben oder andere relevante Informationen aus unstrukturierten Quellen wie PDFs oder E-Mails extrahieren. Klassische Verfahren stoßen hier häufig an Grenzen, während LLMs für standardisierte Extraktionsaufgaben oft überdimensioniert sind.
🔹Executive Summaries aus Dashboards
Ein weiterer Anwendungsfall ist die automatische Erstellung kurzer Zusammenfassungen auf Basis von Reports oder Dashboards. Zentrale Entwicklungen, Auffälligkeiten oder Kennzahlen können in verständliche Fließtexte übersetzt werden.
🔹PII Masking
SLMs können bei der datenschutzkonformen Vorverarbeitung sensibler Informationen unterstützen, bevor Daten in externe Systeme oder weitere Verarbeitungsschritte übergeben werden. Das kann insbesondere in regulierten Umgebungen relevant sein.
🔹Analyse Chatbots
Auch bei der Umwandlung natürlicher Sprache in analytische Abfragen können spezialisierte SLMs interessant sein. LLMs liefern hier bereits gute Ergebnisse, doch für klar definierte Datenräume oder wiederkehrende Fragetypen könnten kleinere Modelle eine effiziente Alternative darstellen.
Bei The Information Lab starten wir aktuell erste Versuche, SLMs in eigene Prozesse und Produkte zu integrieren. Unter anderem prüfen wir, wie sich die Performance unseres Analyst Agents TabCP durch spezialisierte SLMs bewerten oder erweitern lässt. Auch in Bereichen wie Datenschutz, Rechnungswesen und interner Prozessautomatisierung sehen wir Potenzial und werden entsprechende Ansätze weiter evaluieren.
Kurz gesagt: SLMs sind eine vielversprechende Alternative zu LLMs, insbesondere auch was Anwendungsfälle im Data-Bereich angeht.
Fazit: Effizienz schlägt Größe
Small Language Models sind weit mehr als nur eine abgespeckte Version von LLMs. Während Giganten wie GPT-4, sowie neuere Versionen, mit breitem Wissen beeindrucken, punkten SLMs in spezialisierten Fachbereichen mit Präzision, Schnelligkeit sowie Ressourceneffizienz. Sie vereinfachen den Zugang zu künstlicher Intelligenz, indem sie leistungsstarke NLP-Anwendungen ohne riesige Rechenzentren ermöglichen. In einer Zukunft, in der Datenschutz und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden, sind SLMs ein Schlüssel für gezielte, lokale und kosteneffiziente AI-Lösungen direkt auf dem Endgerät.
Dennoch ist es wichtig, den Ergebnissen von AI nicht blind zu vertrauen. Bei allen Sprachmodellen, ob groß oder klein, kann es zu sogenannten Halluzinationen kommen. Dabei nennt das Modell nicht existierende Finanzzahlen, Zitate, Studienergebnisse oder erfindet Quellenangaben, Literaturverzeichnisse und Gerichtsurteile. Die Antworten klingen grammatikalisch korrekt und inhaltlich schlüssig, was das Erkennen von Falschinformationen erschwert. Ergebnisse, vor allem im Businesskontext, sollten daher regelmäßig kontrolliert und auf ihre Richtigkeit geprüft werden.
Jetzt Beratungsgespräch vereinbaren
Ihr möchtet herausfinden, ob Small Language Models für Eure Anwendungsfälle geeignet sind und wie sich AI sicher und sinnvoll in Eure Datenlandschaft integrieren lässt?
Wir unterstützen Euch dabei eine Lösung zu entwickeln, die zu Euren technischen, fachlichen und regulatorischen Anforderungen passt.


