Composable Data Sources in Tableau

Tableau Plattform-Update

Als Tableau-Entwickler:innen seid Ihr dieser Situation wahrscheinlich schon mehr als einmal begegnet: Auf Tableau Server oder Tableau Cloud gibt es bereits eine veröffentlichte Datenquelle (Published Data Source) mit einem durchdachten Datenmodell, dem Eure Organisation vertraut. Sie enthält die richtigen Berechnungen, Relationships und Governance-Regeln. Für Eure Analyse benötigt Ihr jedoch eine zusätzliche Tabelle.

Bislang bedeutete das meist, Kompromisse eingehen zu müssen. Häufig blieb nur der Einsatz von Data Blending, das vollständige Nachbauen der veröffentlichten Datenquelle oder das Duplizieren bestehender Logik, nur um das Datenmodell erweitern zu können. Viele Tableau-Anwender kennen dieses Problem. Bereits seit Jahren gab es auf der Tableau Conference immer wieder Hinweise darauf, dass die Erweiterbarkeit veröffentlichter Datenquellen auf der Roadmap steht.

Mit Composable Published Data Sources ist dieser Zeitpunkt nun gekommen. Die neue Funktion ermöglicht es Euch, auf bestehenden veröffentlichten Datenquellen aufzubauen, anstatt sie als unveränderliche Bausteine zu behandeln. In diesem Artikel schauen wir uns an, was Composable Published Data Sources sind, wie sie funktionieren und warum sie eine spannende Erweiterung der Tableau-Plattform darstellen.

Was sind Composable Published Data Sources?

Stellt Euch eine veröffentlichte Datenquelle als solides Fundament vor. Sie enthält bereits das kuratierte Datenmodell Eurer Organisation, berechnete Felder, Relationships sowie sämtliche Governance-Vorgaben. Mit Composable Published Data Sources müsst Ihr Euch künftig nicht mehr zwischen der Nutzung dieses Fundaments und einer eigenen Datenquelle entscheiden.

Stattdessen könnt Ihr Euch mit einer veröffentlichten Datenquelle verbinden und diese direkt in Tableau um zusätzliche Tabellen erweitern. Die ursprüngliche Published Data Source bleibt dabei unverändert, während Euer Workbook auf die zusätzlich benötigten Daten zugreifen kann. Das Konzept ist einfach, beseitigt jedoch eine der langjährigen Einschränkungen für Tableau-Entwickler:innen.

Warum ist diese Funktion so nützlich?

Es gibt zahlreiche Anwendungsfälle, in denen diese Funktion ihre Stärken ausspielt. Zum Beispiel:

• Ihr verfügt über eine zertifizierte Sales-Datenquelle, möchtet diese aber mit einer Zielvorgaben-Tabelle (Targets) verknüpfen.

• Eure Organisation stellt eine zentral verwaltete Datenquelle bereit, Euer Projekt benötigt jedoch zusätzlich eine Lookup-Tabelle, die nicht Bestandteil des zentralen Datenmodells ist.

Bisher führten solche Szenarien häufig zu duplizierten Datenquellen oder aufwendigen Workarounds. Entwickler:innen mussten veröffentlichte Datenquellen herunterladen oder vollständig nachbauen, nur um eine einzige Tabelle hinzuzufügen, und verloren dabei die Vorteile einer zentral gepflegten Datenquelle. Andere griffen auf Data Blending zurück oder baten das BI-Team, die veröffentlichte Datenquelle anzupassen, obwohl die zusätzlichen Daten lediglich für ein einzelnes Dashboard benötigt wurden.

Mit Composable Published Data Sources gehören diese Kompromisse weitgehend der Vergangenheit an. Ihr könnt weiterhin auf die vertrauenswürdige veröffentlichte Datenquelle setzen und sie nur dort erweitern, wo es tatsächlich erforderlich ist. Das reduziert doppelte Arbeit und beschleunigt die Entwicklung erheblich.

Wie sieht das in Tableau aus?

Das Konzept ist leicht zu verstehen, noch einfacher wird es jedoch, wenn Ihr es in Tableau in Aktion seht. Verbindet Ihr Euch mit einer veröffentlichten Datenquelle, fallen Euch auf der Seite Data Source einige Änderungen auf. Anstatt die einzelnen Tabellen des Datenmodells zu sehen, wird die gesamte Published Data Source in einem einzigen Container dargestellt. Dieser Container repräsentiert das vollständige Datenmodell als wiederverwendbaren Baustein.

Composable Data Sources in Tableau

Außerdem gibt es die neue Schaltfläche Add Published Data Source. Über diese könnt Ihr die bestehende veröffentlichte Datenquelle erweitern, indem Ihr zusätzliche Tabellen oder sogar weitere veröffentlichte Datenquellen hinzufügt. Anschließend definiert Ihr die Relationships zwischen den neuen Tabellen und der bestehenden Published Data Source und erstellt so ein erweitertes Datenmodell, ohne die ursprüngliche Datenquelle zu verändern.

Composable Data Sources in Tableau

 

Aktuell können Composable Published Data Sources ausschließlich mit veröffentlichten Datenquellen kombiniert werden.

Sobald eine zweite veröffentlichte Datenquelle hinzugefügt wurde, erscheint sie als weiterer logischer Bestandteil Eures Datenmodells. Zwischen beiden Datenquellen könnt Ihr anschließend Relationships definieren und so ein gemeinsames Datenmodell erstellen, während beide Published Data Sources weiterhin unabhängig voneinander bleiben.

Das erweiterte Modell könnt Ihr anschließend wiederum als neue veröffentlichte Datenquelle veröffentlichen.

Composable Data Sources in Tableau

Wichtig ist dabei: Wichtig ist dabei: Da beide Datenquellen nun in einer neuen Published Data Source zusammengefasst wurden, seht Ihr beim erneuten Öffnen lediglich einen Container, der sämtliche zugrunde liegenden Komponenten enthält.

Multi-Fact Relationships

Wenn Ihr bereits mit Multi-Fact Relationships in Tableau gearbeitet habt, wird Euch das Verhalten von Composable Published Data Sources sofort vertraut vorkommen. Die gleichen Prinzipien des logischen Datenmodellings gelten nun auch für veröffentlichte Datenquellen.

Anstatt eine einzelne Tabelle als Ausgangspunkt des Datenmodells zu verwenden, dient nun eine komplette Published Data Source als Grundlage. Tableau behandelt diese als logisches Modell, zu dem weitere Tabellen oder zusätzliche veröffentlichte Datenquellen in Beziehung gesetzt werden können.

Dadurch könnt Ihr ein bestehendes, zentral verwaltetes Datenmodell deutlich einfacher erweitern, ohne die bereits definierten Relationships oder die enthaltene Business-Logik zu verändern.

Composable Data Sources in Tableau

Was passiert mit der Governance?

Einer der größten Vorteile dieser Funktion besteht darin, dass die bestehende Governance vollständig erhalten bleibt.

Die veröffentlichte Datenquelle stellt weiterhin ihre zentral gepflegten Berechnungen, Metadaten, Feldbeschreibungen, Hierarchien und Sicherheitsrichtlinien bereit. Diese bleiben die Grundlage Eures Workbooks. Ihr erweitert lediglich das bestehende Datenmodell, anstatt es zu ersetzen.

Damit schafft Tableau einen gelungenen Ausgleich zwischen zentraler Governance und Self-Service Analytics. BI-Teams können weiterhin hochwertige und zertifizierte veröffentlichte Datenquellen bereitstellen, während Analyst:innen und Dashboard-Entwickler:innen flexibel auf neue Anforderungen reagieren können, ohne auf jede Erweiterung des zentralen Datenmodells warten zu müssen.

Was solltet Ihr beachten?

Composable Published Data Sources sind leistungsfähig, ersetzen jedoch kein sauberes Datenmodell.

Wenn in nahezu jedem Workbook dieselben zusätzlichen Tabellen ergänzt werden, ist das meist ein Hinweis darauf, dass die zentrale veröffentlichte Datenquelle selbst erweitert werden sollte. In solchen Fällen ist eine Anpassung der zentralen Datenquelle langfristig sinnvoller, als wenn dieselbe Erweiterung von mehreren Entwickler:innen erneut erstellt wird.

Außerdem gilt wie bei jedem Tableau-Datenmodell: Jede zusätzliche Tabelle erhöht die Komplexität. Sauber definierte Relationships und die Beschränkung auf tatsächlich benötigte Daten sorgen dafür, dass Eure Dashboards verständlicher, wartbarer und performanter bleiben.

Versteht diese Funktion daher als Möglichkeit, ein vertrauenswürdiges Datenmodell gezielt für spezifische Analyseanforderungen zu erweitern – nicht als Mittel, Governance zu umgehen.

Wann ist die Funktion verfügbar?

Die Veröffentlichung von Composable Published Data Sources war ursprünglich für Tableau 2026.2 vorgesehen. Leider wurde die Funktion kurzfristig zurückgestellt. Aktuell wird erwartet, dass sie mit dem ersten Maintenance Release von Tableau 2026.2 verfügbar sein wird.


Fazit

Composable Published Data Sources gehören zu den Funktionen, bei denen man sich fragt, warum es sie nicht schon viel früher gegeben hat. Sie schließen die Lücke zwischen Governance und Flexibilität und ermöglichen es Organisationen, weiterhin auf zentral verwaltete und vertrauenswürdige Datenquellen zu setzen, während Entwickler:innen diese gezielt für ihre Analyseanforderungen erweitern können.

Für Euch als Tableau-Entwickler:innen bedeutet das: weniger Zeit für das Nachbauen bestehender Datenmodelle und mehr Zeit für die Lösung fachlicher Fragestellungen. Die Funktion fördert die Wiederverwendung vorhandener Datenmodelle, reduziert Duplikate und beseitigt einen der häufigsten Schmerzpunkte beim Arbeiten mit zentral verwalteten Datenquellen.

Die besten neuen Funktionen sind oft nicht diejenigen, die alles verändern. Häufig sind es diejenigen, die alltägliche Reibungsverluste beseitigen. Genau das leisten Composable Published Data Sources.

Bereit für die nächste Stufe der Datenmodellierung?

Gute Datenmodelle sind das Rückgrat jedes erfolgreichen Dashboards. Wenn Ihr Unterstützung bei der Migration, dem Aufbau flexibler Datenarchitekturen oder der sinnvollen Nutzung der neuesten Tableau-Features sucht, helfen wir Euch gerne weiter. Sprecht uns an!

Jetzt beraten lassen